13.05.2013

Eine schöne Sportart

Bei der Eintracht gibt es dank des Engagements der Brüder El Karouia wieder eine lebendige Faustkampf-Abteilung

Boxen „boomt“. Das behaupten nicht zuletzt diejenigen, die Boxen als Fitness-Sportart anbieten. Auch bei Eintracht Frankfurt schwitzen pro Trainingstag 70 bis 80 Menschen fast jeden Alters.

Etwa 20 mehr oder weniger ambitionierte Boxer tragen laut Abteilungsleiter Azzedine El Karouia derzeit bei Wettkämpfen den Eintracht-Adler auf der Brust, darunter Jugendliche ab zehn Jahren, ein paar Männer und eine Frau. Der Großteil derjenigen, die zum Training in die Klingerschule an der unteren Bergerstraße kommen, betreibt Boxtraining aber der körperlichen Ertüchtigung wegen, ohne Ambitionen auf direkten Kontakt mit einem Gegner.„Zu uns kommen viele Banker oder Jungs und Mädels aus irgendwelchen Büros, die wollen sich austoben. Wir sind auch dafür offen, denn es ist klar, dass für viele das Training attraktiver ist, nicht aber die Aussicht auf einen Kampf gegen einen, der einen schlagen will“, erklärt El Karouia: „Im Boxtraining merkt man, dass man seine Grenzen jenseits eines Punktes hat, den man vorher für seine Grenze hielt. Boxen geht nicht halbherzig, Boxtraining aber auch nicht.“Mit seinen 29 Jahren ist der ehemalige Hessenmeister als Abteilungsleiter und Trainer eine tragende Figur bei den Eintracht-Boxern. In der Trainingshalle ist außerdem der schon 80 Jahre alte Karl Wiegend immer dabei, der einst auch den jungen Azzedine und dessen Bruder Abdelilah El Karouia unter seine Fittiche nahm. Abdelilah, genannt „Abi“, ist mit seinen inzwischen 27 Jahren einer der erfahreneren Boxer der Eintracht - und einer der besten. Bei den Deutschen Meisterschaften, die im August in Oldenburg stattfinden, werden dort sogar Chancen aufs Treppchen eingeräumt, wie Azzedine bestätigt, der seinen Bruder und einige andere Talente trainiert.Da die El Karouias Tür an Tür mit der Turnabteilung der Eintracht im Oederweg wohnen, kamen die Söhne früh zum Sport. Die Neugier trieb Azzedine anderen Kindern hinterher in die Halle, und er begann mit dem Turnen. Später waren beide Brüder leidliche Fußballer. Als Jugendliche wollten sie dann aber Boxen. Bei der Eintracht lag die Abteilung in den 1990er Jahren lange darnieder. Vielleicht 15 Leute inklusive zweier alternder Trainer, mehr war nicht. Dann kamen Azzedine, Abdelilah und ein Klassenkamerad dazu, und alle drei brachten es als Junioren zum Hessenmeister - die Söhne marokkanischer Eltern nahmen extra die deutsche Staatsbürgerschaft an, um zu den Wettkämpfen zugelassen zu werden. Doch dann gab es Streitigkeiten in der Abteilung und kaum noch jemanden, der sich engagierte. „Es hat genauso schnell wieder aufgehört, wie es angefangen hat“, erinnert sich Azzedine.

Gemeinsamer Neuanfang

Jahre später war die Flamme in Abdelilahs Boxerherz aber immer noch nicht erloschen. Und weil Azzedine gerade aus Bayern zurück nach Frankfurt zog, beschlossen sie, gemeinsam einen Neuanfang zu starten und die Abteilung aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken. Azzedine machte beim Hessischen Box-Verband in Offenbach eine Trainerlizenz, für die er fünf Monate lang seine Wochenenden opferte und engagierte sich als Stellvertretender Abteilungsleiter im Verein. Und „Abi“ stieg wieder voll ins Training ein. Um sie herum wuchs die Abteilung schnell.Die Wettkampfsportler, die unter Azzedine El Karouia arbeiten, sind auch Teil der beiden großen Trainingsgruppen, die jeweils dienstags und donnerstags in der Klingerschule üben. Zehn- bis 18-Jährige sind von 19 bis 20.15 Uhr dran, danach für anderthalb Stunden die Erwachsenen. „Meine Kämpfer sollen auch im Training Verantwortung übernehmen. Wenn sie es anderen erklären können, habe ich die Gewissheit, dass sie verstanden haben, was ich ihnen beibringen will“, meint Azzedine. Ansonsten lässt er seinen Boxern viele Freiheiten: „Man sagt ja, am Stil eines Boxers könne man erkennen, aus welcher Schule er komme. Bei uns ist das nicht so. Wir wollen keinem einen bestimmten Stil eintrichtern, die sollen ein bisschen experimentieren und herausbekommen, was für sie das Beste ist.“ Relativ weit ist damit der aktuelle Hessenmeister der U16-Schüler Dinel Graca, der im Weltergewicht (bis 66 Kilogramm) boxt. Und auch der erst 14 Jahre alte Denis Metovic (Federgewicht bis 57 kg) ist laut El Karouia ein großes Talent.Bei den offenen Stadtmeisterschaften errang Metovic jüngst bei seinem ersten offiziellen Wettkampf einen beeindruckenden Punktsieg. Und der ebenfalls 14 Jahre alte Bilal Gasmi (50 kg) erboxte im Kadetten-Anfängerbereich (U15) ein Unentschieden gegen Niels Kämmerer vom Boxclub Nordend Offenbach.

Die Tür ist für alle offen

Auf Erfolge, sagt Azzedine El Karouia, kommt es dabei nur bedingt an: „Wir Boxer sind wie eine kleine Familie, da gibt es gar nicht so ein riesiges Konkurrenzdenken, wie man meinen könnte. Uns ist allen daran gelegen, unsere Sportler besser zu machen und etwas für den Sport zu tun.“ So käme es durchaus vor, dass Boxer bei anderen Vereinen mittrainierten, um von deren speziellen Stärken zu profitieren. „Meine Tür ist für Boxer aus anderen Vereinen offen“, stellt El Karouia klar. Und sogar ganze Mannschaften aus ganz anderen Sportarten lässte er in seine Halle. Die Regionalliga-Fußballer der Eintracht, die des Kreisoberligisten Concordia Eschersheim (wo beide El Karouias kickten) waren diesen Winter an den Sandsäcken in der Klingerschule zugange, demnächst kommt das Eishockey-Team der Riederwälder. „Boxen ist als Fitnesssport im Trend, aber es ist schon immer eine schöne Sportart“, findet der stolze Abteilungsleiter der Eintracht. 
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